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Paintball

Das schnelle Spiel um die Fahnen

Gerhard Wächter MdB informiert sich in Büren (05.06.2009) Büren. Dreh- und Angelpunkt eines Paintball-Spiels sind die beiden Mannschaftsfahnen. Zwei   Spielparteien haben die Aufgabe, die   Fahne der anderen Mannschaft zu erobern und zur eigenen Basis zu bringen. Jedes Team wird versuchen, dies zu verhindern und den Fahnenräuber aufzuhalten, indem er mittels des mit Druckluftbetriebenen Markierers ihn mit dem Paintball zu markieren versucht. Jeder getroffene Spieler scheidet aus dem laufenden Spiel sofort aus, egal wo er getroffen wurde. Angetan sind die Spielerinnen und Spieler dabei mit angemessener Schutzkleidung mit Maske, die Gelantinekügelchen sind gefüllt mit gelber, grüner oder blauer Lebensmittelfarbe - rot ist tabu. Spieldauer je Spiel etwa drei Minuten. Timo Schmiedel betreibt mit seinen Partnern Stefan Greskowski und Marco Fullone im Bürener Industriegebiet in einer Fabrikhalle die professionelle Paintballanlage "Plan2", in die er knapp 100.000 Euro, vor allem für Sicherheitseinrichtungen, investiert hat. "Paintball", so informiert er den Bundestagsabgeordneten Gerhard Wächter bei einem Informationsbesuch, "ist eine der beliebtesten und am schnellsten wachsenden Action-Sportarten der heutigen Zeit. Es ist die moderne Form von 'Räuber und Gendarm', hervorgegangen aus dem Gotchaspiel aus den USA. Es ist ein schneller Bewegungssport, ähnlich dem Völkerballspiel." Er betont dabei, dass das Spiel in Deutschland nur innerhalb eines Gebäudes, niemals im Freien, und immer einem durch Netze geschützten Bereich, erlaubt ist. Die Markierer verbleiben dabei in der Betreiberanlage. Zuschauer gibt es nicht, Alkohol ist streng verboten. In Deutschland gibt es nach Schmiedels Auskunft derzeit etwa 100.000 Spielerinnen und Spieler auf etwa 50 professionellen Anlagen. Seine Kunden kommen aus einem Umkreis von etwa 100 Kilometer rund um Büren. Timo Schmiedel betont: "Paintball ist ein Teamsport und ganz und gar nichts für Freizeitrambos. Gefordert ist nicht nur ein durchtrainierter Körper, sondern vor allem Teamwork, Geschick und Fair Play. Paintball spielen kann jeder ab dem 18. Lebensjahr." Gerhard Wächter wollte sich in der Diskussion um die Modifizierung des Waffenrechts vor Ort informieren. Paintball ist auch in der geplanten Neufassung des Waffengesetztes kein Spiel, das als Gewalt verherrlichend gilt. Gerhard Wächter konnte sich davon in Büren überzeugen. "Vergleiche mit wilden Softairspielen mit nachgebildeten Waffen und in Tarnanzügen sind schlicht falsch", so Wächter. Im Bild, auf der Paintball-Anlage im Bürener Industriegebiet, von links: Gerhard Wächter MdB, die Paintball-Betreuer Stefan Greskowskis und Marco Fullone in ihren Spielanzügen, mit den Markierern in den Händen.


Markieren statt massakrieren
Fünf Jugendliche aus Bünde üben sich im Paintball

Bünde/Büren. Umstritten ist das Spiel spätestens seit dem Vorfall von Winnenden. Was aber ist wirklich dran am militaristischen Gedanken des "Paintballs"? Fünf Jugendliche aus Bünde machten die Probe aufs Exempel. Zunächst war es nur ein Geschenk, das die Bünderin Vanessa Altemeier einem Freund zum Geburtstag machte. Einmal Paintball spielen bei "Paintball-Partner" in Büren, dem nächst-gelegenen Standort. "Ihr werdet heute alle auf den Geschmack kommen", verspricht der Besitzer der Paintball-Halle, Timo Schmiedel bei der Begrüßung. Außer dem Bünder Team sind noch fünf andere Jugendliche vor Ort. Jeder Spieler erhält Schutzkleidung für Gesicht und Körper, den weiblichen Teilnehmern wird zusätzlich ein spezieller Brustschutz umgeschnallt. Keine Tarnfarben, keine Soldatenkleidung – jeder Bezug zum Militarismus wird in Büren vermieden. Dazu wird jedem Einzelnen ein Spielgerät in die Hand gedrückt. "Wie muss ich die Knarre denn halten?", fragt Sebastian Griesbach und erhält prompt eine Belehrung. "Markierer heißt das", wird er aufgeklärt, "Waffen haben beim Paintball nichts zu suchen". So wird der Markierer auch nicht mit Patronen, sondern mit Farb-Bällen gefüllt, die mittels Druckluft aus dem Lauf fliegen. Getroffene Spieler gelten als markiert und scheiden aus der aktuellen Runde aus. Ob die Wortwahl einen Unterschied macht? Wird die Sache durch geänderte Begriffe etwa besser? "In der Tat", erklärt Schmiedel, "in diesem Spiel geht es weder um Schüsse noch ums Eliminieren von Gegenspielern. Verliert jemand seine Maske, wird das Spiel unterbrochen, um Verletzungen zu vermeiden". Darüber hinaus werden nicht nur Treffer am Körper, sondern auch an Schuhen oder Spielgerät gezählt – "im Unterschied zum Fechten, wo nur tödliche Treffer Punkte bringen", versucht Schmiedel die Friedfertigkeit seiner Sportart zu unterstreichen. Überhaupt gibt es für Eroberung und Sicherung der Flagge weit mehr Punkte als für Markierungen. Noch ein paar Spielregeln und ab gehts aufs Feld. Gespielt wird in Teams, Ziel ist es, eine Fahne aus der Mitte des Spielfeldes zu erobern und unbeschadet ins eigene Lager zu bringen. Nach wenigen Minuten ist die erste Spielrunde bereits vorbei, als nur noch Vanessa Altemeier unmarkiert auf dem Areal steht. "Auf jeden Fall interessant", lautet das
erste Urteil, "das ganze ist eher mit Völkerball als mit Krieg zu vergleichen". Nach diversen Durchgängen und einiger verstrichener Zeit trauen sich Vanessa und Sebastian öfter aus der Deckung und Hauke Beck, der dritte Bünder im Spiel, übersteht mehrere Runden ohne einen einzigen Treffer. "Warum sollte ich schießen, wenn ich auch so gewinnen kann?", lautet sein trockener Kommentar. Lob für diese friedliche
Einstellung erhält er von Timo Schmieder, der bei allen Spielen als Schiedsrichter fungiert. Einen Rüffel gibt es trotzdem: "Geschossen wird hier noch immer nicht". Schmiedel wirkt nicht wie ein Waffen-Narr. Auf dem Feld präsentiert er sich äußerst fair und lässt Teamgeist sprechen. "Das macht Paintball aus", erklärt er, "niemand simuliert hier Tötungen". Schwarze Schafe gebe es zwar überall, insgesamt sei Paintball aber eben doch nur ein Sport. "Kriegs-Fetischisten verlieren meist schon nach dem ersten Spiel das Interesse. Denen ist das viel zu harmlos", so Schmieders Ertfahrung. Teilen muss man diese Meinung jedoch nicht.


Ein Nachmittag im Kugelhagel
Kriegsverherrlichung oder harmloses Spiel - ein Paintball-Selbstversuch
VON MEIKO HASELHORST

Büren. Die Kugeln fliegen mir um die Ohren. Mit einem tollkühnen Satz rette ich mich hinter eine Gummiwand. Ich höre mein Herz schlagen, der Schweiß rinnt mir die Schläfen hinab, der Sichtschutz meiner Maske beschlägt. Irgendwo hinter den aufblasbaren Barrieren hockt der Gegner und wartet auf meinen nächsten Fehler. Vorsichtig beuge ich mich nach vorne: "Plitsch" macht es - gelbe Flüssigkeit verteilt sich auf meinem Visier. "Game over", ruft der Schiedsrichter - das Spiel ist aus. In einer Halle im Industriegebiet Büren-West, im äußersten Zipfel des Kreises Paderborn, herrscht Krieg. So jedenfalls stelle ich’s mir vor. Und ein Großteil der Gesellschaft offenbar auch. Immerhin stand "Paintball" vor nicht allzu langer Zeit schon mal vor einem Verbot. Der Gedanke, mich mit einer Art Maschinenpistole auf meine geschätzte Kollegin zu stürzen und sie in einem Munitionshagel untergehen zu lassen, ist in der Tat etwas befremdlich. Umgekehrt wäre es mir aber auch nicht viel lieber. Die Bedenken kommen zu einem schlechten Zeitpunkt - ich stehe bereits auf dem Schlachtfeld. "Wie muss ich die Knarre eigentlich halten?", frage ich Schiedsrichter Marco, um Coolness bemüht. "Das Ding heißt nicht Knarre oder Wumme - das ist ein Markierer, und den hält man so", sagt Marco, macht die Schusshaltung vor und lässt mich ein paar Probeschüsse machen. Ich "markiere" eine Gummiwand. Die Kugel schlägt so laut auf, dass ich mich nicht wundern würde, wenn die Barriere jetzt ein Loch hätte. Vor meinem geistigen Auge saust sie wie ein Luftballon, den man nicht zugeknotet hat, durch den Raum. Und die Kollegin ballert gleich los Die mit Lebensmittelfarbe gefüllten und mit Druckluft getriebenen Gelatine-Kugeln, die als Munition dienen, fliegen mit einer Geschwindigkeit von über 200 Stundenkilometern durch die Luft, erklärt Marco. Gut, dass ich Schutzkleidung trage. "Ready, drei, zwo, eins, go!", ruft der Schiedsrichter. Die Kollegin ballert gleich wild drauflos - ich habe meinen Markierer kaum in der richtigen Position, da trifft die erste Kugel schon meinen ungeschützten Arm. Der Schmerz hält sich in Grenzen - nur ein gelblicher Fleck belegt den Treffer. "Game over", ruft Marco. "Zurück in die Ausgangsposition." Ermutigt durch den unbeschadet überstandenen Streifschuss werde ich mutiger, gehe in die Offensive und lande tatsächlich ein paar Treffer. Zur "Halbzeit" steht es 4:4 unentschieden. Wir legen eine Feuerpause ein. Einige Zaungäste können nicht umhin, sich bei meiner Kontrahentin einzuschmeicheln. "Du bewegst dich gar nicht wie eine Anfängerin, das sieht richtig gut aus." Die Geehrte wächst schlagartig um drei Zentimeter. "Und was ist mit mir?", will ich wissen. "Deine Haare liegen ganz gut", spöttelt ein junger Mann. An Angriff ist nicht mehr zu denken Ein wenig eingeschnappt begebe ich mich wieder auf das Schlachtfeld, das mir mittlerweile doch eher wie ein Spielfeld vorkommt. Durch die schlechte Kritik aus der Fassung gebracht, bringe ich nicht mehr viel zustande. Im "friendly fire" meiner Kollegin hechte ich Schutz suchend von Barriere zu Barriere. An Angriff ist nicht mehr zu denken -meine Kollegin brät mir einen Paintball nach dem anderen auf den durchgeschwitzten Pelz. "Game over, game over, game over" - ich kann’s nicht mehr hören. Entnervt reiße ich mir die Maske vom überhitzten Kopf. "Sofort die Maske auf oder du fliegst raus", herrscht mich der Schiri an. Als unsere Munition endlich verschossen ist, bin ich heilfroh. Die zweite Halbzeit geht klar an die Kollegin. Fortan werde ich sie nur noch "Amazone" nennen. Nach halbstündigem Gefecht sehe ich ziemlich mitgenommen aus. Und die Frisur sitzt auch nicht mehr so gut.


In Büren wird bald geballert
Vergleich vor Gericht: Gewerbehalle darf künftig als Paintball-Anlage genutzt werden BÜREN Nachdem das Verwaltungsgericht Minden bereits im November vergangenen Jahres eine Paintballanlage im Industriegebiet Büren-West unter strengen Auflagen genehmigt hatte, endete ein ähnlich gelagertes Verfahren nun noch vor der Verhandlung mit einem Vergleich. Demnach wird der Kreis Paderborn den Bauvorbescheid für die Umnutzung einer Gewerbehalle am Oberen Westring zu einer Paintball-Anlage erteilen. Bei den Klägern der beiden Verfahren handelt es sich nach Angaben des Gerichts übrigens um zwei unterschiedliche Männer.Paintball ist ein
Mannschaftssport, bei dem Gegenspieler mit Farbkugeln beschossen werden. Getroffene Spieler müssen ausscheiden. Bei dem jetzt gestatteten Spielbetrieb versuchen zwei gegnerische Teams, eine Fahne zu erobern. Im November 2007 hatte die Erste Kammer des Verwaltungsgerichts den Kreis Paderborn in einem inzwischen rechtskräftigen Urteil dazu verpflichtet, einem Kläger einen positiven Bauvorbescheid für eine Paintballanlage im Industriegebiet West zu erteilen. Dies war allerdings an Auflagen gebunden: So musste die Einsichtnahme in das Spielfeld durch eine geschlossene Halle verhindert werden, Zuschauer sollten nicht gestattet sein und Tarnkleidung oder Uniformen nicht getragen werden. Farbmarkierungskugeln („Paintballs“) dürfen nur in anderen Farben als rot verwendet werden. Nach Angaben des Gerichts verpflichtete sich der Kreis Paderborn nun unter den gleichen Auflagen, auch für die Umnutzung der Gewerbehalle am Oberen Westring zu einem Paintball-Spielfeld einen positiven Bauvorbescheid zu erteilen.


 

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